Erst letzte Woche bekam ich einen dicken A4-Umschlag von der Stadt Hamburg, so vollgepropft mit diversen Papieren, Umschlägen, Auszufüllendem, dass die Werbeabteilung von Reader’s Digest stolz gewesen wäre. Immerhin war einen einfach nachzuvollziehnde Anleitung dabei, die Unterlagen gingen also sauber ausgefüllt und verpackt ans Wahlamt.
Doch gestern früh fand ich schon wieder einen dicken Umschlag im Kasten, vom Bezirksamt Eimsbüttel. Im ersten Moment war ich erschreckt-verwundert. Ein schlimmes Zeichen für unsere Gemeinschaft, wenn wir erst einmal Schlimmes für uns fürchten, nur weil Verwaltungen uns schreiben. Auch diesmal waren es nur Wahlunterlagen. Wieder ein Bürgerbegehren.
Anders als bei der Schulreform hatte ich zu dieser keine Meinung, es geht da um ein paar Büsche und Bäume an einer Hochbahnstation, die seit einem Vierteljahrhundert [give or take] übel nach ranzigem Pommesfett stinkt. Dann aber sah ich die beiden Vorschläge unterschiedlicher Initiativen, was denn dort gemacht werden solle. Die einen wollen gern ein weiteres Bürogebäude zwischen Isebek und Bahnviadukt errichten, die anderen hätten einfach nur gerne einen ansehnlichen Bahnhofsvorplatz.
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Die Damen und Herren, die hier Büros benötigen, haben einen netten Brief entwickelt, der das Vorhaben als ökologisch-nachhaltige Entwicklung ausgibt, sie versprechen ‘Isebek erhalten – Eimsbüttel gestalten’, malen die Gegenwart in düsteren Farben der Vergangenheit [irgendwo unter dem Grünzeug ist ein Röhrenbunker aus dem 2. WK nicht zu sehen]. Dazu gibt es zwei Bilder:
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Die ‘traurige Realität’ hat offenbar Einfluss auf das Wetter, denn sie ist wolkenverhangen, dunkel, nur schwer auszumachen, trist, öde, kalt [achten Sie auf den Baum ganz links]. Darunter sehen wir ‘die Zukunft’, eine helle Angelegenheit, voll lebendigen Grüns, blauer Himmel, ein netter Platz mit einem Bauriegel, der an Hamburgische Rotklinkerarchitektur erinnert. Klar, das ist eine Montage, die breite Einflugschneise in die Stadt wurde fotografiert, Straßenbegleitgrün [vulgo: Bäume] verstärkt und aufgehübscht, das zukünftige Gebäude hinein montiert.
Auffällig sind zuerst zwei Dinge:
Sehe ich aus weiter Ferne von oben auf etwas herab, erscheint es kleiner. Gehe ich dicht an ein Objekt heran, fotografiere aus niedriger Höhe, erscheint es größer. So sehen wir im zweiten Bild ein moderates Gebäude, das sich harmonisch ins Umfeld einpasst. Wäre die Montage aus der gleichen Perspektive entstanden wie das erste Foto im Brief, wäre nur eine kalte Steinwand zu sehen, alles vergleichsweise dunkel, da das Haus Licht abschatten würde.
Auch die unterschiedlichen Wetterimpressionen wurden nach diesem Gesichtspunkt gewählt – gute, alte Propagandatricks. Aufgrund des nicht besonders guten Druckes – die Bezirksversammlung möchte ja nicht professionell wirken, sondern wie die typische Feld-, Wald- und Wiesen-Bürgerinitiative – lässt sich nicht zweifelsfrei sagen, wieweit das Wetter komponiert wurde. Für mich sieht es so aus, als sei die Bewölkung im ersten Foto per Klon-Werkzeug verstärkt worden. Das zweite Bild tut zwar so, als sei es ein Foto, ist aber klar eine Montage. Das hätte man dazu schreiben können.
Auf den zweiten Blick fällt noch etwas auf: auch das erste Bild gibt nicht die Wirklichkeit wieder, es wurde deutlich manipuliert. Hier ein Foto, das ich am Nachmittag des 16. Juni 2010 machte:
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Nachdem mir der Manipulationsversuch aufgefallen war, nutzte ich den sonnigen Nachmittag, fuhr mit dem Fahrrad rüber zur Hoheluftbrücke, um mir selbst ein Bild zu machen. Und ich muss sagen, dass ich jetzt eine Meinung habe. Sie gründet sich nicht auf eine Abwägung der Vor- und Nachteile der eigentlichen Vorhaben, sondern auf die Fälschung.
Eine fast identische Perspektive wie die des Bezirksversammlungsbildes finden Sie oben im Panorama, auch am 16. Juni 2010 entstanden. Wie Sie sehen, ist da sehr viel mehr und vor allem sehr viel höheres Grün zu sehen, als im Brief, der zwar Brachfläche zeigt, wo in Wirklichkeit Bäume und Büsche stehen. Für diese fehlende Vegetation hat man stattdessen eine zweite Pappel eingefügt …
Weiter Details zur Fälschung finden sich, wie ich später sah, bei der ISEBEK-INITIATIVE.
Menschen stört es nicht sonderlich verarscht zu werden, solange sie es nicht merken. Wenn wir es merken, nehmen wir nicht übel, dass Sie es versucht haben, wir nehmen übel, wie wenig Mühe Sie sich geben. Halten Sie uns für blind und blöd? Zumindest wohl für blöd genug, dass Sie sich nicht anstrengen müssen. Schade, ging daneben.
Yip, ich werde wählen, für den Erhalt des Grünzeugs neben der Frittenbude! Da darf sich die ISEBEK-INITIATIVE bei Ihnen, liebe BezirksverGammlung bedanken.
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