August 2010
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Friß oder stirb oder was

Eben noch wunderte ich mich, ob es am frischen Herbst in Lachstadt läge, dass kaum ein Serviceangestellter, auf den ich traf, nett und freundlich und komptent war. Doch die griesgrämige Beamtenmentalität beim Mobilfunkanbieter, die verschlafen-pampige Inkompetenz beim Elektronikplaneten sollte im Restaurant der Wahl noch getoppt werden.

Mein Kunde hat sein Büro und ein erstes Ladengeschäft in einer prestigeträchtigen Passage mitten in Lachstadt. Der Name des Verkaufsviertels soll nicht genannt werden, er tut auch nichts zur Sache; auch den Namen des italienischen Restaurants verschweigt der gnädige Berichterstatter. Mein Kunde lädt häufiger Geschäftskontakte dorthin ein – bisher. Wir besetzten selbst in den letzten Monaten das eine oder andere Mal die Stühle für ein annehmbares Mittagsmahl. Man kann sagen, es handelt sich bei meinem Kunden um einen guten Gast des Italieners.

Wie es sich an einem Arbeitstag zwischen 13 und 14 Uhr gehört, war das Lokal mit recht wenigen Gästen besetzt, insgesamt [mit uns] 18. Wir waren um zwanzig nach eins angekommen, hatten – bereits auf Nachfrage – fünf Minuten später bestellt, von der Mittagskarte. Getränke wurden uns nach weiteren fünf bis sechs Minuten … nein, serviert wäre das falsche Wort … vorgesetzt.

Drei Mann im Service, auf jeden Fall zwei in der Küche, ein simples Pastagericht [Tagliatelle mit Scampi], ein vorbereiteter Fischteller mit Fertigsauce und TK-Gemüse. Eigentlich kein großes Problem, und in der Vergangenheit dauerte es auch nur etwas zehn Minuten, bis die warmen Speisen kredenzt waren; immerhin besteht der Witz an Mittagskarten darin, schnell servieren zu können.

Es dauerte länger. Das Servicepersonal latschte gelangweilt umher, wedelte kurz aber oft über einen die ganze Zeit nicht benutzten Tisch. Einer der Herren ließ seine Schlüssel an einer dieser unsäglichen Lanyards aus der Hosentasche lang baumeln. Und schwang es hin und wieder cool-lässig umher. Zweimal auf meine Schulter. Ohne Entschuldigung. Ein Gast fragte nach seinem dritten Brotkorb, da offenbar sein Essen nicht kam. Die Gäste neben uns machten auch einen eher unyufriedenen Eindruck.

Es wurde 14 Uhr, wir warteten bereits eine ordentliche halbe Stunde auf den schnellen Mittagstisch. Doch etwas angepisst fragten wir nach und prompt kam der Kellner mit dem Fisch, der bereits nicht so richtig wach aussah, auch Sauce und Gemüse hatten wohl schon bessere Zeiten gesehen. Ein Bissen – kalt. Eis hatten wir nicht bestellt, Fisch geht zurück. Nebenbei bemerkt der Kellner, meine Pasta käme gleich.

Nö. Über eine Dreiviertelstunde nach Bestellung, 14:15 Uhr, gingen wir. Laut, Visitenkarte hinterlassend, keine Zeit mehr. Reaktion des Personals: Desinteresse.

Während ich im Büro weiter arbeitete, fuhr mein Kunde zu einem wichtigen Termin, kam irgendwann zurück, ich hatte alles erledigt, wir besprachen noch das weitere Vorgehen. Ich ging zur S-Bahn und fuhr gen Heimat, wo ich kurz nach 17 Uhr aufschlug. Computer an, Tee kochen, warme Mahlzeit bereiten. Irgendwann klingelte das Telefon, Kunde braucht Hilfe und hat noch ein Döntjes für mich …

Einige Zeit nachdem ich ihn verlassen hatte, stand ein Kellner des Restaurants im Laden unten. Er präsentierte eine Rechnung über die Gerichte, die wir nicht bekommen, geschweige denn gegessen hatten. Keine Entschuldigung für das einmalig schlechte Benehmen, den leider unglücklichen Service des Tages, womöglich das Angebot, Wasser und Apfelschorle nicht bezahlen zu müssen.

Irgendjemand hat wohl den Schuss nicht gehört. Und nun einen regelmäßigen Kunden weniger. Vielleicht auch ein ernsteres Gespräch mit dem Vermieter.

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