Am Anfang war die Anfrage eines Kunden, der mich gerne als Berater dabei haben wollte, wenn er diverse technische Gerätschaften für seinen neuen Laden kaufte. Ich sollte gleich mal einen Blick in die neuen Räumlichkeiten werfen und noch einige Marketing-Aufgaben erledigen. zuerst ging es gen Norden, zu einem großen Möbelhaus - unmöglich. Dieses Geschäft war, trotz einiger Lauferei, weil wir von einem zum anderen und zurück geschickt wurden, das Highlight des Tages. Die Mitarbeiter waren nett, freundlich, mussten zwar etwas gepusht werden, halfen dann aber gut weiter.
Weiter zu einem großen Einkaufszentrum, nicht ganz zentral, aber auf dem weg gelegen. Die Umbauarbeiten im Laden laufen. Die Handwerker sind gut drauf. Irgendeiner hat bei der Planung die Messdaten für den Grundriss etwas großzügig ausgelegt … Das kriegen wir in den Griff.
Und ans Eingemachte, der beringte Elektronikplanet harrt unser: ISDN-Telefon, ein einfaches Fax, ein a/b-Wandler. Das erste finden wir selbst schnell, das zweite auch, Preis dafür € 59,90. Einen mobilen WLAN-Hotspot haben die auch auf Nachfrage nicht, der erste Mitarbeiter ist auch gar nicht zuständig, ‘da müssen Sie den Kollegen fragen‘. Sein Gesicht drückt genervte Langeweile aus, vormittags um 11.
Während Mitarbeiter Nr. 2 uns das billige Fax erst nicht verkaufen will - ‘Oh, das ist unser letztes …‘ ‘Klasse, nehmen wir, sind auch gerne bereit weniger zu zahlen!‘ -, lässt ihn die Frage nach einem a/b-Wandler leer aussehen, gaaaaaanz leer. Der Kollege reagiert irgendwann mit einem halbstummen ‘Hä?‘ OK, das hätte sich also erledigt [Inzwischen vermute ich, das die Dinger gar nicht mehr hergestellt werden, da die kleinen Telefonanlagen so billig geworden sind, dass es sich nicht mehr lohnt.]
Neben der totalen Inkompetenz fielen alle planetaren Lebensformen durch knapp an der Unhöflichkeit vorbei schrammendes Engagement auf. Ganz schlimm wurde es, als Nr. 2 die interne Rechnung für das Fax fertig machte, Sie erinnern sich, € 59,90 ausgeschildert und wir hatten uns auch über den Preis unterhalten. Inzwischen waren so ca 45 Sekunden ins Land gegangen. Während er tippt, sehe ich € 79,90 auf dem Bildschirm. Ein langer, aufdringlicher Blick: ‘Da stimmt aber was mit dem Preis nicht.’
Irritiert blickt mich der Verkäufer an, als sei er beim Bonbonklauen erwischt worden. ‘Wieso?’ – ‘€ 59,90 steht am Regal.’ - ‘Sind Sie sicher?’ Mein Gesichtsausdruck muss arrogant genug gewesen sein, ihn umgehend zurück zum Regal zu schicken. ‘Stimmt, das muss der falsche Preis sein.’ - ‘Wir nehmen das Fax gerne auch für weniger mit, als was Sie nach Preisauszeichnungsgesetz …’ Er tippselt wieder, gleich steht dort € 69,90. ‘Das sind immer noch 10 zu viel – da hätten Sie jetzt so tun können, als ob ich sie erfolgreich runterhandele …’
Ein Telefongespräch, mehrere Schnuten und viel Tippselei später halte ich ein Ausstellungsstück zum ausgezeichneten Preis in den Händen. Bevor wir zur Kasse gehen, entscheiden wir, noch einmal beim rosa Riesen vorbeizusehen – kurzer Besuch: Verkäuferin sieht nett aus, kann aber keinen bleibenden Eindruck hinterlassen, da benötigte Geräte nicht vorhanden. Wieder zurück, die billigste Telefonanlage zu Fax und Telefon gelegt, Kasse, bezahlen, Rechnungsadresse ändern.
Mein Kunde wollte noch schnell eine SIM-Karte bei einem roten Anbieter brennen lassen, für einen Kumpel. Angeblich ginge das, hieß es am Tag zuvor. Heute geht’s nicht, nur über den Kundendienst. ‘Dann muss ich das halt in der Stadt machen …’, meint Kunde. Freundlich frage ich den griesgrämigen Mit“arbeiter”, wo denn der Kundendienst sei - ‘Da müssen sie unter Nummer anrufen.’ Also nicht in der Stadt. Diese Schlussfolgerung stellt sich später als korrekt raus. Die Mitarbeiter der roten Mobilanbieterfiliale in der City sind zwar gesetzteren Alters, aber ebenso unwirsch wie die Jüngelchen im Einkaufszentrum. Offenbar verkauft sich der mist von selbst.
Nun haben wir uns aber ein nettes Mittagessen verdient … [Diese Fortsetzung verlangt nach einem eigenen Beitrag.]