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Verfasser-Archiv

Hier gibt’s nichts zu sehen, bitte weiter gehen …

So, nun ist gut, lange genug habe ich mir hier eingeschränkt – technisch und ästhetisch. Darum geht es jetzt woanders weiter, meine bisherigen Blogs wurden zusammengepackt in einem einzigen: es bleibt schwierig. Kein eigenes Fotoblog mehr, kein eigenes allgemeines Blog mehr. Was ich so für bloggernswert halte, geht ab jetzt in das neue Blog.

Die alten Artikel sowohl aus 366Foto wie aus zuihitsu werden zumindest vorerst erhalten bleiben, vor allem, für diejenigen, die einen Deeplink gesetzt haben. Mit der Zeit werden einzelne Beiträge ins neue Blog wandern [das ist bereits für einige geschehen], irgendwann werden die alten Sachen ganz gelöscht.

Ich freue mich, ab jetzt unter es bleibt schwierig gelesen zu werden!

Wenn Idioten aufs Internet treffen: ‘Google ist wie die Stasi’

Das so genannte Dritte Programm des WDR bietet regelmäßig eine kleine, oft recht interessante Diskussionsrunde namens westART. Da unterhalten sich Kunstliebhaber, Philosophen, Literaturkritiker und andere meist unbekannte Intellektuelle über die Gesellschaft mit dem Fokus Kunst, Literatur, Philosophie. Im Grunde eine gute Sache. Und dann gab es die Sendung vom 16. Januar 2011 …

Mal wieder ging es um das böse Internet und seine “Datenkraken”, mythische Wesen, die an alberene Fantasypiratenfilme erinnern sollen. Neben Michael Seemann, der als einziger der Runde wirklich versteht, von was geredet wurde, saßen da eine – erfrischend ehrliche und luzide – Dame, die von der Stasi verfolgt und ins Gefängnis geworfen war, Ranga Yogeshwar und eine Philosophin, die Angst hatte, ihre Bücher würden gelesen.

Bereits die Liste der Diskutanten zeigt, worum es geht: die ach so gefährliche Öffentlichkeit und Offenheit im Rahmen globaler Kommunikationsmöglichkeiten. Oder einfacher: Google ist böse, Facebook ist die neue Stasi. Und das wurde tatsächlich beinahe wörtlich gesagt, nicht vom intelligenten Opfer eines menschenverachtenden Regimes, sondern von der Philosophin, dern Ausführungen nicht den Eindruck hinterließen, sie hätte auch nur einen Computer.

Mäander: Ideen verbreiten sich kostengünstig

Als ich dort reinschaltete, ließ sich Simone Dietz darüber aus, dass Google Bücher ohne Genehmigung scannt und veröffentlicht [was so nicht stimmt]. ‘Da könnte ja jeder lesen!’, so klang es hervor. Natürlich stört sie sich nicht daran, sondern glaubt allen Ernstes, dass Menschen ihre Sachen nun nicht mehr kaufen würden. Oder sie fürchtet, dass Käse, den sie mal geschrieben hat, durch sie nicht mehr aus der Öffentlichkeit zu halten ist. Oder … ich weiß auch nicht, es stört sie halt einfach, dass Bücher gelesen und diskutiert werden. Zumindest, wenn das bei Google Books geschieht.

Jahrtausende waren die Gedanken der meisten Menschen nicht über ihren Küchentisch hinausgekommen, dann kam ein Mainzer und demokratisierte Bücher, indem er eine Möglichkeit fand sie einfach und billig zu vervielfältigen. Der technische Fortschritt folgender Jahrhunderte gipfelte in einem unglaublichen Baumverbrauch in den 2000er Jahren, in denen immer mehr Bücher in immer höheren Auflagen in die Buchläden kamen. Denn jeder wollte seine Geschichten veröffentlicht haben.

Allerdings standen dem immer noch Druck- und Vertriebskosten dagegen, manchmal auch Lektoren mit Geschmack und Bildung. Und dann kam das Internet, jene Nichtentität, die an allem Schlechten schuld ist. Menschen waren nicht mehr auf Lektoren, Vertriebe und Druckereien angewiesen. Sie können nun einfach veröffentlichen. Viel besser: Es gibt jedem von uns, egal wie viel Geld er hat, die Möglichkeit gute Bücher günstig zu lesen. Wenn lebende Autoren dem zustimmen. Was sie sollten.

Repression oder Bequemlichkeit

Als nächstes waren Dietzs und Yogeshwar erschreckt darüber, wie viel doch Dienste wie Google, Facebook etc. von uns wissen. Sie kucken unsere Fassaden an! Sie kennen unsere E-Mail Adressen! Sie kennen unsere Freunde und Bekannten! Das ist alles gefährlich – irgendwie. Außerdem würden die ja unsere Daten verkaufen, vielleicht, irgendwann mal, nächste Woche, nächstes Jahr oder übernächstes oder … Das alles ist auf jeden Fall Stasi 2.0, weil die ja auch alles wussten.

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Macht’s Euch doch selbst!

Das darf  nicht wahr sein! Wieder wird im Namen angeblichen Verbraucherschutzes in einem TV-Wirtschaftsmagazin – das sich ‘im Dritten’ sicher als seriös einstuft – nur die halbe Wahrheit gesagt. Keine wertvolle Analyse, nur Erbsen- ‘tschuldigung: Schokoladenzählerei. Aber ‘Abzocke’, die haben sie wieder erkannt.

Angeblich gestandene Journalisten sehen sich vorgefertigte Adventskalender von bekannten Süßwarenherstellern an, sie nölen rum, dass die teils einfallslosen Pappteile überteuert wären, weil ja der gleiche Inhalt in der Standardpackung viel billiger ist. Dann werden arme, unschuldige Omas straßenbefragt. Die Stimme des Volkes murmelt auftragsgemäß ‘Abzocke!’ ins Mikrofon. Mütter fragen sich in die Kamera, ‘für das bisschen Pappe?’

Nein! Ihr kauft euch Ruhe und Zeit. Sonst müsstet Ihr, wie früher eure Mütter, selbst Adventskalender basteln und füllen - das kostet aber halt Zeit, einen halben oder ganzen Abend, an dem Ihr lieber Pro7 seht. Also kauft ihr diesen Abfall. Ihr zahlt somit für eure Bequemlichkeit und nicht für irgendwelche Pappe, die für gerade mal € 1,76 Schokolade enthält.

Ist euch eure Behaglichkeit nichts wert, wollt Ihr die auch noch im Preis drücken, von Kindern in China erstellen lassen? Wie eure Billigschuhe?

Musik schön verpackt

Dieser Beitrag erschien vor über drei Jahren schon einmal. Da sich seit damals wenig verändert hat, habe ich ihn um einige weitere schöne CD-Editionen erweitert und lege ihn den Managern in der Musikvertriebsbranche noch einmal ans Herz. Jungs, Mädels: Tut was, werdet kreativ, investiert in gute Künstler, Grafiker, Autoren!

Immer noch heulen die armen Manager großer Unterhaltungskonzerne, dass sie keine CDs mehr verkaufen weil die kriminellen Konsumenten lieber illegal aus dem Netz ziehen oder Scheiben tauschen.

Wundert sich wirklich jemand darüber, dass vor allem aktuelle Pop-Chart-Hits mit sehr häufig sehr kurzem Verfallsdatum schnell mal geladen und nach wenigen Wochen gelöscht werden? Wer möchte schon die 08/15-Wegwerfware á la Deutschland sucht den Superstar für die Nachwelt aufbewahren.

Ganz anders sieht das bei guter Musik aus - und die hängt nicht vom Genre ab. Kompositionen, Lyrics und Interpreten, die man gerne wieder hört, die dem aufmerksamen Zuhörer jedesmal etwas Neues bieten, sind es, die sich verkaufen. Vor allem, wenn ie auch noch schön verpackt werden. Denn die Musik alleine ist tatsächlich auch über das Internet direkt zu vertreiben.

Geben sich die Plattenfirmen aber wirklich Mühe, optimieren den Klang, geben gute Liner Notes mit, lassen das Art Department schöne Booklets und Verpackun gen designen, dann, ja dann …

Beispiele

Ein wunderbares, wohldurchdachtes Set mit Aufnahmen von Billie Holiday:Billie Holiday - Lady Day; Columbia [front]

Billie Holiday - Lady Day; Columbia [Booklet]Billie Holiday - Lady Day; Columbia [Track listing]Billie Holiday - Lady Day; Columbia [CD-Halterung]Billie Holiday - Lady Day; Columbia [CD] Ähnlich aufwändig eine Tom Petty Box:

Tom Petty and the Heartbreakers - Playback

Simpler, aber auch schön, kommt T-Bone Walker daher:

T-Bone Walker - Capitol Recordings [front]T-Bone Walker - Capitol Recordings [innen]

Selbst mehr oder weniger Aktuelles wie die Red Hot Chili Peppers [wenn auch eine Greatest Hits] kann schön sein:Red Hot Chili Peppers - Greatest Hits

Und noch ein paar – für diese Neuveröffentlichung des Beitrags hinzugefügt:

Bessie Smith - Complete; Columbia [2 verschiedene Boxen]Malaco - The Last Soul CompanyBooker T and the MGs [front]Booker T and the MGs [aufgeklappt]

Muddy Waters

Friß oder stirb oder was

Eben noch wunderte ich mich, ob es am frischen Herbst in Lachstadt läge, dass kaum ein Serviceangestellter, auf den ich traf, nett und freundlich und komptent war. Doch die griesgrämige Beamtenmentalität beim Mobilfunkanbieter, die verschlafen-pampige Inkompetenz beim Elektronikplaneten sollte im Restaurant der Wahl noch getoppt werden.

Mein Kunde hat sein Büro und ein erstes Ladengeschäft in einer prestigeträchtigen Passage mitten in Lachstadt. Der Name des Verkaufsviertels soll nicht genannt werden, er tut auch nichts zur Sache; auch den Namen des italienischen Restaurants verschweigt der gnädige Berichterstatter. Mein Kunde lädt häufiger Geschäftskontakte dorthin ein – bisher. Wir besetzten selbst in den letzten Monaten das eine oder andere Mal die Stühle für ein annehmbares Mittagsmahl. Man kann sagen, es handelt sich bei meinem Kunden um einen guten Gast des Italieners.

Wie es sich an einem Arbeitstag zwischen 13 und 14 Uhr gehört, war das Lokal mit recht wenigen Gästen besetzt, insgesamt [mit uns] 18. Wir waren um zwanzig nach eins angekommen, hatten – bereits auf Nachfrage – fünf Minuten später bestellt, von der Mittagskarte. Getränke wurden uns nach weiteren fünf bis sechs Minuten … nein, serviert wäre das falsche Wort … vorgesetzt.

Drei Mann im Service, auf jeden Fall zwei in der Küche, ein simples Pastagericht [Tagliatelle mit Scampi], ein vorbereiteter Fischteller mit Fertigsauce und TK-Gemüse. Eigentlich kein großes Problem, und in der Vergangenheit dauerte es auch nur etwas zehn Minuten, bis die warmen Speisen kredenzt waren; immerhin besteht der Witz an Mittagskarten darin, schnell servieren zu können.

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Herbstanfang

Es gibt so Tage … heute war wieder so einer. Die ganze Zeit fragte ich mich, ‘Liegt’s an dir?’ Vielleicht ist es aber auch der Herbst, der in Lachstadt Einzug gehalten hat. Auf jeden Fall traf ich heute auf diverse Menschen, die ihren jeweiligen Job verfehlt haben.

Am Anfang war die Anfrage eines Kunden, der mich gerne  als Berater dabei haben wollte, wenn er diverse technische Gerätschaften für seinen neuen Laden kaufte. Ich sollte gleich mal einen Blick in die neuen Räumlichkeiten werfen und noch einige Marketing-Aufgaben erledigen. zuerst ging es gen Norden, zu einem großen Möbelhaus - unmöglich. Dieses Geschäft war, trotz einiger Lauferei, weil wir von einem zum anderen und zurück geschickt wurden, das Highlight des Tages. Die Mitarbeiter waren nett, freundlich, mussten zwar etwas gepusht werden, halfen dann aber gut weiter.

Weiter zu einem großen Einkaufszentrum, nicht ganz zentral, aber auf dem weg gelegen. Die Umbauarbeiten im Laden laufen. Die Handwerker sind gut drauf. Irgendeiner hat bei der Planung die Messdaten für den Grundriss etwas großzügig ausgelegt … Das kriegen wir in den Griff.

Und ans Eingemachte, der beringte Elektronikplanet harrt unser: ISDN-Telefon, ein einfaches Fax, ein a/b-Wandler. Das erste finden wir selbst schnell, das zweite auch, Preis dafür € 59,90. Einen mobilen WLAN-Hotspot haben die auch auf Nachfrage nicht, der erste Mitarbeiter ist auch gar nicht zuständig, ‘da müssen Sie den Kollegen fragen‘. Sein Gesicht drückt genervte Langeweile aus, vormittags um 11.

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Nachgedanken: Bundespräsidenten-Event

Da haben wir ihn also, den neuen. Christian Wulff, 51, ist jetzt ausgestattet mit lebenslangem Titel samt zugehörigen Privilegien - irgendwo hieß es was, von  ca. € 200.000 plus 78.000 während der aktiven Zeit plus Büro und Sekretärin bis zum Ableben. Nun gut, soll ihm gegönnt sein, sein Ex-Kollege Jürgen Rüttgers ist ja bloß neidisch, wenn er in Nordrhein-Vandalen jetzt für Dienstwagen und Chauffeur für weitere 5 Jahre kämpft.

Und sonst so?

A. Merkel hat auf jedem Schritt seit der für sie unglücklich ausgegangenen Wiederwahl im letzten Jahr versagt. Egal was sie nicht anpackte, es flog ihr um die Ohren. Einmal wollte sie Stärke und Mut zeigen, benannte in einer eher einsamen, auf jeden Fall überflüssig voreiligen Entscheidung ihren letzten resignierenden internen Gegner zum neuen Bundespräsidenten. Sie muss sehr überrascht gewesen sein, als Sigmar Gabriel bei Ihr anfragte, ob nicht der Joachim Gauck eine gute Wahl wäre. Vielleicht wusste sie gar nicht, dass der Präsident nicht einfach benannt, sondern gewählt wird, von über 1200 Menschen, nicht nur vom Bundeskanzler. Entsprechend ihre wortkarge Reaktion.

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Wenn Lügen überzeugen sollen … Photoshopdisaster an der Isebek

Lachstadt könnte ganz schön sein, wenn da nicht die Lachstädter wären. Die meisten von ihnen sind so für sich genommen durchaus netter, manchmal auch nur erträglicher Umgang. Rotten sie sich zusammen, dann sind sie wie eine Familienfeier. Damit wir uns wenigstens Ernst genommen fühlen, wurde vor einiger Zeit ein Ansatz direkter Demokratie eingeführt, in der Form von Bürgerbegehren und –entscheiden. Bereits nach nur wenigen – Schulreform stadtweit, einige auf Bezirksebene – zeigt sich das Schlimmste in den Menschen.

Erst letzte Woche bekam ich einen dicken A4-Umschlag von der Stadt Hamburg, so vollgepropft mit diversen Papieren, Umschlägen, Auszufüllendem, dass die Werbeabteilung von Reader’s Digest stolz gewesen wäre. Immerhin war einen einfach nachzuvollziehnde Anleitung dabei, die Unterlagen gingen also sauber ausgefüllt und verpackt ans Wahlamt.

Doch gestern früh fand ich schon wieder einen dicken Umschlag im Kasten, vom Bezirksamt Eimsbüttel. Im ersten Moment war ich erschreckt-verwundert. Ein schlimmes Zeichen für unsere Gemeinschaft, wenn wir erst einmal Schlimmes für uns fürchten, nur weil Verwaltungen uns schreiben. Auch diesmal waren es nur Wahlunterlagen. Wieder ein Bürgerbegehren.

Anders als bei der Schulreform hatte ich zu dieser keine Meinung, es geht da um ein paar Büsche und Bäume an einer Hochbahnstation, die seit einem Vierteljahrhundert [give or take] übel nach ranzigem Pommesfett stinkt. Dann aber sah ich die beiden Vorschläge unterschiedlicher Initiativen, was denn dort gemacht werden solle. Die einen wollen gern ein weiteres Bürogebäude zwischen Isebek und Bahnviadukt errichten, die anderen hätten einfach nur gerne einen ansehnlichen Bahnhofsvorplatz.

Hoheluftbrücke mit Kaifu-Kehre [Bild anklicken für größere Ansicht]

Die Damen und Herren, die hier Büros benötigen, haben einen netten Brief entwickelt, der das Vorhaben als ökologisch-nachhaltige Entwicklung ausgibt, sie versprechen ‘Isebek erhalten – Eimsbüttel gestalten’, malen die Gegenwart in düsteren Farben der Vergangenheit [irgendwo unter dem Grünzeug ist ein Röhrenbunker aus dem 2. WK nicht zu sehen]. Dazu gibt es zwei Bilder:

Bildfälscher am Werk [Bild anklicken für größere Ansicht]

Die ‘traurige Realität’ hat offenbar Einfluss auf das Wetter, denn sie ist wolkenverhangen, dunkel, nur schwer auszumachen, trist, öde, kalt [achten Sie auf den Baum ganz links]. Darunter sehen wir ‘die Zukunft’, eine helle Angelegenheit, voll lebendigen Grüns, blauer Himmel, ein netter Platz mit einem Bauriegel, der an Hamburgische Rotklinkerarchitektur erinnert. Klar, das ist eine Montage, die breite Einflugschneise in die Stadt wurde fotografiert, Straßenbegleitgrün [vulgo: Bäume] verstärkt und aufgehübscht, das zukünftige Gebäude hinein montiert.

Auffällig sind zuerst zwei Dinge:

  • Warum so unterschiedliches Wetter?
  • Weshalb zwei so komplett verschiedene Perspektiven?

Sehe ich aus weiter Ferne von oben auf etwas herab, erscheint es kleiner. Gehe ich dicht an ein Objekt heran, fotografiere aus niedriger Höhe, erscheint es größer. So sehen wir im zweiten Bild ein moderates Gebäude, das sich harmonisch ins Umfeld einpasst. Wäre die Montage aus der gleichen Perspektive entstanden wie das erste Foto im Brief, wäre nur eine kalte Steinwand zu sehen, alles vergleichsweise dunkel, da das Haus Licht abschatten würde.

Auch die unterschiedlichen Wetterimpressionen wurden nach diesem Gesichtspunkt gewählt – gute, alte Propagandatricks. Aufgrund des nicht besonders guten Druckes – die Bezirksversammlung möchte ja nicht professionell wirken, sondern wie die typische Feld-, Wald- und Wiesen-Bürgerinitiative – lässt sich nicht zweifelsfrei sagen, wieweit das Wetter komponiert wurde. Für mich sieht es so aus, als sei die Bewölkung im ersten Foto per Klon-Werkzeug verstärkt worden. Das zweite Bild tut zwar so, als sei es ein Foto, ist aber klar eine Montage. Das hätte man dazu schreiben können.

Auf den zweiten Blick fällt noch etwas auf: auch das erste Bild gibt nicht die Wirklichkeit wieder, es wurde deutlich manipuliert. Hier ein Foto, das ich am Nachmittag des 16. Juni 2010 machte:

Kaifu-Kehre [Bild anklicken für größere Ansicht]

Nachdem mir der Manipulationsversuch aufgefallen war, nutzte ich den sonnigen Nachmittag, fuhr mit dem Fahrrad rüber zur Hoheluftbrücke, um mir selbst ein Bild zu machen. Und ich muss sagen, dass ich jetzt eine Meinung habe. Sie gründet sich nicht auf eine Abwägung der Vor- und Nachteile der eigentlichen Vorhaben, sondern auf die Fälschung.

Eine fast identische Perspektive wie die des Bezirksversammlungsbildes finden Sie oben im Panorama, auch am 16. Juni 2010 entstanden. Wie Sie sehen, ist da sehr viel mehr und vor allem sehr viel höheres Grün zu sehen, als im Brief, der zwar Brachfläche zeigt, wo in Wirklichkeit Bäume und Büsche stehen. Für diese fehlende Vegetation hat man stattdessen eine zweite Pappel eingefügt …

Weiter Details zur Fälschung finden sich, wie ich später sah, bei der ISEBEK-INITIATIVE.

Liebe Bezirksversammlung Eimsbüttel, ein ganz wichtiger Tipp zu Propaganda:

Menschen stört es nicht sonderlich verarscht zu werden, solange sie es nicht merken. Wenn wir es merken, nehmen wir nicht übel, dass Sie es versucht haben, wir nehmen übel, wie wenig Mühe Sie sich geben. Halten Sie uns für blind und blöd? Zumindest wohl für blöd genug, dass Sie sich nicht anstrengen müssen. Schade, ging daneben.

Yip, ich werde wählen, für den Erhalt des Grünzeugs neben der Frittenbude! Da darf sich die ISEBEK-INITIATIVE bei Ihnen, liebe BezirksverGammlung bedanken.

Navigon, reißt Euch zusammen!

Es muss an mir liegen, dachte ich erst. Vielleicht bin ich inkompatibel zu Elektronik und Computern, komme ich ihnen nahe – pfft, kaputt. Allerdings spricht die Geschichte dagegen, immerhin arbeite ich seit etwa einem Vierteljahrhundert ernsthaft mit Computern, habe noch länger HiFi-Equipment. Also doch: Es liegt an Navigon!

Letztes Jahr im Spätsommer legte ich die Einkünfte eines kleineren Auftrags in ein Navigationsgerät an. Drei Jahre hatte ich einen PDA mit der Software Destinator benutzt, die Firma war inzwischen vom Markt verschwunden, deren Software auch nie wirklich überzeugend. Informierter Verbraucher, der ich bin, sah ich mich um, forschte, recherchierte, las in einschlägigen Foren mit.

Kartenbild, Funktionen und vor allem die damals noch einmalig günstige Möglichkeit, zwei Jahre lang aktuelle Karten zu erhalten, machten die Entscheidung einfach. Ich besorgte mir ein Navigon 4350max. Das Gerät selbst funktionierte – noch – tadellos, außer einer kleinen Pfadanpassung zum Speichern meiner eigenen Routen und Favoriten ließ ich es so laufen, wie es vom Hersteller

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Burka oder nicht Burka – soll das eine Frage sein?

Haben eigentlich nur Moslems etwas dagegen, dass ihre Töchter in der Öffentlichkeit nackte Haut zeigen oder sich mit Jungs treffen? Folgt man der Pseudodebatte in Europa muss man diesen Eindruck gewinnen.

Belgien hat sich entschieden, per Gesetz eine Kleiderordnung einzuführen, wer nicht so rumläuft, wie es den Herren und Damen im Parlament gefällt, der wird vermutlich mit Ausziehen auf dem Marktplatz nicht unter drei Tagen bestraft. Frau PorNo Schwarzer findet das auch noch gut, denn schließlich können nicht Männer Frauen unterdrücken – außer sie wurden ins belgische Parlament gewählt und haben nichts zu verlieren.

Nicht, dass ich falsch verstanden werde, ich finde die Haltung hinter der Verschleierung widerwärtig. Werden doch die [potenziellen] Opfer, die Frauen, von den [potenziellen] Tätern, Männern, auch noch zu den eigentlich Schuldigen erklärt. Nach dem Motto: ‘So wie die Schlampe rumgelaufen ist, die wollte das doch!’ Als ob Frauen nicht das Recht hätten, sich in ihren Klamotten wohlzufühlen, als ob Männer ihren Schwanz nicht in der Hose lassen können.

Die sehr einfach geführte Diskussion hängt sich allerdings daran auf, dass Moslems ihre Frauen und gebärfähigen Töchter verschleiern, vom einfachem Kopftuch über den fast durchsichtigen Gesichtsschleier bis hin zum leinigen Individualgefängnis. Belgien verbietet also Moslems die Kleidung. Oder darf dort eine Hindu jetzt auch nicht mehr im langen, mehrschichtigen Sari rumlaufen?

Aufgefallen ist mir das, als ich gestern Bend It Like Beckham sah, jene luftig-lockere britische Komödie um zwei junge Frauen, die gerne Fußball spielen, dargestellt von Keira Knightley und Parminder Nagra. Beide bekamen Ärger in der eigenen Familie, beide über Dresscode, die blonde Engländerin bekam vorgehalten, sie würde nie einen anständigen Jungen abkriegen, wenn sie immer in diesen männlichen Sportklamotten rumliefe. Die junge Frau aus der Hindu-Familie sollte nicht liederlich ihre Haut zeigen.

Diese Haltung, dass Frauen gefälligst Keuschheit vorzutäuschen hätten, sich möglichst asexuell verhüllen sollen, ist überhaupt nicht auf eine, zwei oder drei Religionen festzunageln, es ist überhaupt keine religiöse Angelegenheit. Das Viktorianische Zeitalter bzw. der Biedermeier sind beinahe sprichwörtlich für diese Art Verklemmtheit; auch die Diskussion um Mary Quants Minirock fällt mir hier ein.

Die Angst der Väter, dass ihre eigenen Tochter Opfer von sexueller Gewalt wird [ein typischer Sitcom Topos übrigens] steckt hinter all dem. Männer, die Frauen als reine Sexobjekte sehen - ‘Alles Schlampen außer Mutti’ –, und glauben, selbst wenn sie sich in ihrem Leben immer im Griff hatten, die anderen könnten das nicht, fürchten nun um die heilige Jungfräulichkeit ihrer Töchter. Und weil sie ja genau wissen, dass die Frauen die Schlampen sind und nicht die Männer die Schweine, werden sie versteckt.

Noch mal: Ich finde diese Haltung widerwärtig, ich teile sie nicht. Ich sehe allerdings auch nicht, wie eine offizielle Kleiderordnung, ob inklusive á la Mao-Uniform oder exklusive wie Belgien jetzt beschloss, das Grundproblem ändert. Die Männer werden ihre Frauen halt gar nicht mehr raus lassen oder nur noch unter Bewachung durch übersexualisierte, gewaltbereite Jungmänner.

Wenn wir schon Bekleidung verbieten, wie wäre es mit Leggings und Baggy Trousers? Oder Clubkrawatten?