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16.1.2011 von Dierk.
Mal wieder ging es um das böse Internet und seine “Datenkraken”, mythische Wesen, die an alberene Fantasypiratenfilme erinnern sollen. Neben Michael Seemann, der als einziger der Runde wirklich versteht, von was geredet wurde, saßen da eine – erfrischend ehrliche und luzide – Dame, die von der Stasi verfolgt und ins Gefängnis geworfen war, Ranga Yogeshwar und eine Philosophin, die Angst hatte, ihre Bücher würden gelesen.
Bereits die Liste der Diskutanten zeigt, worum es geht: die ach so gefährliche Öffentlichkeit und Offenheit im Rahmen globaler Kommunikationsmöglichkeiten. Oder einfacher: Google ist böse, Facebook ist die neue Stasi. Und das wurde tatsächlich beinahe wörtlich gesagt, nicht vom intelligenten Opfer eines menschenverachtenden Regimes, sondern von der Philosophin, dern Ausführungen nicht den Eindruck hinterließen, sie hätte auch nur einen Computer.
Als ich dort reinschaltete, ließ sich Simone Dietz darüber aus, dass Google Bücher ohne Genehmigung scannt und veröffentlicht [was so nicht stimmt]. ‘Da könnte ja jeder lesen!’, so klang es hervor. Natürlich stört sie sich nicht daran, sondern glaubt allen Ernstes, dass Menschen ihre Sachen nun nicht mehr kaufen würden. Oder sie fürchtet, dass Käse, den sie mal geschrieben hat, durch sie nicht mehr aus der Öffentlichkeit zu halten ist. Oder … ich weiß auch nicht, es stört sie halt einfach, dass Bücher gelesen und diskutiert werden. Zumindest, wenn das bei Google Books geschieht.
Jahrtausende waren die Gedanken der meisten Menschen nicht über ihren Küchentisch hinausgekommen, dann kam ein Mainzer und demokratisierte Bücher, indem er eine Möglichkeit fand sie einfach und billig zu vervielfältigen. Der technische Fortschritt folgender Jahrhunderte gipfelte in einem unglaublichen Baumverbrauch in den 2000er Jahren, in denen immer mehr Bücher in immer höheren Auflagen in die Buchläden kamen. Denn jeder wollte seine Geschichten veröffentlicht haben.
Allerdings standen dem immer noch Druck- und Vertriebskosten dagegen, manchmal auch Lektoren mit Geschmack und Bildung. Und dann kam das Internet, jene Nichtentität, die an allem Schlechten schuld ist. Menschen waren nicht mehr auf Lektoren, Vertriebe und Druckereien angewiesen. Sie können nun einfach veröffentlichen. Viel besser: Es gibt jedem von uns, egal wie viel Geld er hat, die Möglichkeit gute Bücher günstig zu lesen. Wenn lebende Autoren dem zustimmen. Was sie sollten.
Als nächstes waren Dietzs und Yogeshwar erschreckt darüber, wie viel doch Dienste wie Google, Facebook etc. von uns wissen. Sie kucken unsere Fassaden an! Sie kennen unsere E-Mail Adressen! Sie kennen unsere Freunde und Bekannten! Das ist alles gefährlich – irgendwie. Außerdem würden die ja unsere Daten verkaufen, vielleicht, irgendwann mal, nächste Woche, nächstes Jahr oder übernächstes oder … Das alles ist auf jeden Fall Stasi 2.0, weil die ja auch alles wussten.
Geschrieben in Facebook, Google, Internet, Gesellschaft | 3 Kommentare »