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17.5.2010 von Dierk.
Belgien hat sich entschieden, per Gesetz eine Kleiderordnung einzuführen, wer nicht so rumläuft, wie es den Herren und Damen im Parlament gefällt, der wird vermutlich mit Ausziehen auf dem Marktplatz nicht unter drei Tagen bestraft. Frau PorNo Schwarzer findet das auch noch gut, denn schließlich können nicht Männer Frauen unterdrücken – außer sie wurden ins belgische Parlament gewählt und haben nichts zu verlieren.
Nicht, dass ich falsch verstanden werde, ich finde die Haltung hinter der Verschleierung widerwärtig. Werden doch die [potenziellen] Opfer, die Frauen, von den [potenziellen] Tätern, Männern, auch noch zu den eigentlich Schuldigen erklärt. Nach dem Motto: ‘So wie die Schlampe rumgelaufen ist, die wollte das doch!’ Als ob Frauen nicht das Recht hätten, sich in ihren Klamotten wohlzufühlen, als ob Männer ihren Schwanz nicht in der Hose lassen können.
Die sehr einfach geführte Diskussion hängt sich allerdings daran auf, dass Moslems ihre Frauen und gebärfähigen Töchter verschleiern, vom einfachem Kopftuch über den fast durchsichtigen Gesichtsschleier bis hin zum leinigen Individualgefängnis. Belgien verbietet also Moslems die Kleidung. Oder darf dort eine Hindu jetzt auch nicht mehr im langen, mehrschichtigen Sari rumlaufen?
Aufgefallen ist mir das, als ich gestern Bend It Like Beckham sah, jene luftig-lockere britische Komödie um zwei junge Frauen, die gerne Fußball spielen, dargestellt von Keira Knightley und Parminder Nagra. Beide bekamen Ärger in der eigenen Familie, beide über Dresscode, die blonde Engländerin bekam vorgehalten, sie würde nie einen anständigen Jungen abkriegen, wenn sie immer in diesen männlichen Sportklamotten rumliefe. Die junge Frau aus der Hindu-Familie sollte nicht liederlich ihre Haut zeigen.
Diese Haltung, dass Frauen gefälligst Keuschheit vorzutäuschen hätten, sich möglichst asexuell verhüllen sollen, ist überhaupt nicht auf eine, zwei oder drei Religionen festzunageln, es ist überhaupt keine religiöse Angelegenheit. Das Viktorianische Zeitalter bzw. der Biedermeier sind beinahe sprichwörtlich für diese Art Verklemmtheit; auch die Diskussion um Mary Quants Minirock fällt mir hier ein.
Die Angst der Väter, dass ihre eigenen Tochter Opfer von sexueller Gewalt wird [ein typischer Sitcom Topos übrigens] steckt hinter all dem. Männer, die Frauen als reine Sexobjekte sehen - ‘Alles Schlampen außer Mutti’ –, und glauben, selbst wenn sie sich in ihrem Leben immer im Griff hatten, die anderen könnten das nicht, fürchten nun um die heilige Jungfräulichkeit ihrer Töchter. Und weil sie ja genau wissen, dass die Frauen die Schlampen sind und nicht die Männer die Schweine, werden sie versteckt.
Noch mal: Ich finde diese Haltung widerwärtig, ich teile sie nicht. Ich sehe allerdings auch nicht, wie eine offizielle Kleiderordnung, ob inklusive á la Mao-Uniform oder exklusive wie Belgien jetzt beschloss, das Grundproblem ändert. Die Männer werden ihre Frauen halt gar nicht mehr raus lassen oder nur noch unter Bewachung durch übersexualisierte, gewaltbereite Jungmänner.
Wenn wir schon Bekleidung verbieten, wie wäre es mit Leggings und Baggy Trousers? Oder Clubkrawatten?
Geschrieben in Religion, Gesellschaft, Politik | Keine Kommentare »