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Februar 2012
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Archiv der Kategorie Steuer

Erzählt mir nichts von Globalisierung

Vor einigen Jahren haben Wirtschats”experten” und Politiker etwas gänzlich Neues entdeckt: globalen Welthandel. Der Kampfbegriff dazu lautet ‘Globalisierung’ – eignet sich auf der einen Seite, um Kostendruck auf diejenigen auszuüben, die Waren produzieren, die Arbeitnehmer. Die andere Seite gefällt sich darin, gegen internationalen Warentausch zu sein, am besten indem Steine in Sparkassenfenster geworfen werden. Weil es ja die bösen lokalen Sparkassen und Genossenschaftsbanen sind, die an der gar nicht so geheimen internationalen Verschwörung … Aber ich schweife ab.

Natürlich ist weltweiter Handel nicht sonderlich neu, das britische Empire basierte darauf, ebenso das spanische Königreich bevor die Briten ihm die Handelsrouten wegnahmen. Vor der Entdeckung des amerikanischen Kontinents war die Hanse mächtigster Handelszusammenschluss in Europa; italienische Geschäftemacher gingen nach China, chinesische Flotten erreichten Afrika. Überhaupt, viele der großen Entdecker und Eroberer, die wir gerne feiern oder verdammen – von Alexander bis zu Attila – waren auch und besonders im Namen der Wirtschaft unterwegs.

Globalisierung ist also wirklich nichts Neues. Und leider auch nicht die Beschränkungen, mit denen der eigene kleine Wirtschaftsraum, basierend auf Fürstentum oder Nationalstaat, vor den bösen, bösen Waren aus dem Ausland geschützt werden soll.

Sagt mir wo die Preise herkommen

Zusammen mit einem kleinen Paket erhielt ich heute einen Steuerbescheid vom Hauptzollamt Frankfurt. Dafür können die Jungs und Mädels vom Zoll nichts; ich möchte auch betonen, dass ich mit denen noch nie Schwierigkeiten hatte, nette, hilfsbereite Menschen. Der Bescheid selbst kam allerdings doch überraschend.

zoll sansho

Das kleine Paket war ein Geschenk zu meinem Geburtstag [Many tanks to my good friend Mary!], eine DVD von Criterion, bestellt über Amazon USA. Wie es sich bei Geschenken gehört, war die DVD hübsch verpackt, auf dem Lieferschein fehlte der Preis. Tja, großer Fehler, denn wenn eine Rechnung fehlt, muss der Zoll schätzen. Möglicherweise, lernte ich heute, setzt auch das Kurierunternehmen einen Preis fest, wo der dann herkommt weiß ich allerdings nicht, denn die $ 45,47 auf dem Steuerbescheid stimmen hinten und vorne nicht.

amazon sansho Amazon bietet die DVD schon seit Wochen für knapp $ 31 an.

criterion sansho Und auch Criterion selbst bleibt weiter unter seiner eigenen Preisempfehlung – und selbst die liegt erheblich unter dem Schätzpreis der Zollanmeldung. Da frage ich mich schon, was da abgelaufen ist.

Ein wenig Verzollungsregeln

Seit dem 1. Dezember 2008 gibt es neue Freigrenzen für den Import von diversen Waren aus vielen Ländern. Davor galten bis € 22: Kein Zoll, keine Einfuhrumsatzsteuer, alles darüber wurde entsprechend der Tabellensätze steuerpflichtig. Seitdem wird Zoll erst fällig, wenn der Gesamtwarenwert einer Sendung € 150 übersteigt.

Das sieht doch eigentlich sehr gut aus, egal, ob der tatsächlich bezahlte Preis, der Suggested Retail Price oder der Mondpreis von oben angenommen wird, mein Geschenk hat eindeutig weniger als € 150 gekostet! Ein schneller Blick auf den Steuerbescheid sagt mir auch, dass ich überhaupt keinen Zoll bezahlen soll, in der entsprechenden Zeile ‘ZOLLEU’ mit Satz 3,5% steht am Ende ein Abgabenbetrag von € 0,00. Es wurde nur die Einfuhrumsatzsteuer berechnet, 19% = € 6,29.

Tatsächlich, der Gesetzgeber hat sich gedacht, ‘dem Fußvolk unten in den Hauptzollämtern machen wir’s mal schwierig’. Die müssen nämlich immer noch jedes Paket ab Wert € 22 bearbeiten, weil die EUSt fällig wird.

Berechnungen

Da ich nachweisen kann, dass der Grundwert zur Berechnung der EUSt zu hoch angesetzt ist, könnte ich ja Widerspruch einlegen und mir Geld zurückholen. Sehen wir uns das mal genauer an:

Umrechnungskurs Monat März 2010 lt. Zoll: 1,3726

bezahlter Preis DVD in US-Dollar: 30,99

Preis DVD in EURO: 22,58

Den vollen Betrag bekomme ich schon mal nicht zurück, da die DVD immer noch knapp über der € 22-Grenze liegt. Zoll wird nicht fällig, aber die EUSt von 19 %: € 4,29.

Differenz bezahlt – tatsächlich fällig: 6,29 - 4,29 = € 2

Liebes Bundesfinanzministerium, lieber Herr Dr. Schäuble, ich schenke Ihnen die zwei EURO, da ich nicht davon ausgehe, dass ich meine Kosten [z.B. Briefporto] geltend machen kann.*

*Wahrscheinlich liegt es an dieser Großzügigkeit, dass ich nicht reich bin.

Freier Welthandel

Eine schöne Idee, diese Globalisierung, ich fänd’s noch schöner, wenn der freie Welthandel denn auch mal bei mir voll ankäme. Da verschieben mittelmäßig begabte Spieler zig Milliarden im Sekundentakt von einer Börse zur anderen ohne einen Cent für anfallende Gewinne zu bezahlen, aber ich muss Umsatzsteuer auf Geschenke abdrücken. Für Umsätze, die in den USA anfallen wohlgemerkt, denn hier in Deutschland wurde weder produziert noch gehandelt.

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