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Februar 2012
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Archiv der Kategorie Tierschutz

Hundstage

Mögen Sie Kampfhunde? Wohlgemerkt, das, was deutsche Gesetzgeber darunter verstehen: bestimmte Hunderassen, nicht unbedingt auf blutige [und zu Recht verbotene] Spektakel abgerichtete Individuen:

Self-appointed experts will tell you that fighting is in the blood. And dogfighters use this cliché to support their “sport.” It would be cruel to keep them from fighting, they say. Yet if fighting were purely dictated by genetics, there would be no need to feed dogs gunpowder, insert glass shards beneath their skin, or to engage in any of the other cruel forms of “training” in the underworld of dogfighting. [Ken Foster, ‘Pit bulls are innocent’, Salon.com, 20. August 2007.]

Besitzer solcher Hunde haben es schwer, auch dann, wenn sie nicht aus den Milieus stammen, die für den schlechten Ruf einiger Hunderassen verantwortlich sind - Zuhälter, Kriminelle u.Ä. Dabei interessiert es niemanden, ob der Hund ein äußerst gutherziger, gelassener Geselle ist. ‘Schließlich sind die Hunde genetisch aggressiv!’

Genau! Und Menschen sind genetisch Terroristen. Zumindest folgt das aus der verqueren Logik der Hundeablehner. Denn alle Hunde gehören ein und derselben Art an, sie sind alle Canis lupus - Wölfe. Zur Unterscheidung von wild in Rudeln lebenden richtigen Wölfen wird an den Artnamen oft ein ‘domesticus’ angehängt, biologisch ist das allerdings unerheblich, es weist nur auf die Sozialisierung innerhalb der Menschheitsgeschichte hin.

Wie bei Menschen - und jeder anderen Spezies - sind bei Hunden die genetischen Unterschiede zwischen Individuen größer als die zwischen arbiträr festgelegten Gruppen. Konkret: Asiaten und Europäer sind sich als Gruppe ähnlicher als Herr Schmidt und Herr Mayer. Oder auf Hunde übertragen, Zwergdackel und Mastiffs sind als Gruppen gleicher denn Bulli und Wauzi, die beiden Mastiffs.

So wenig Menschen schwarzafrikanischer Herkunft genetisch musikalischer sind als Kaukasier, so wenig sind so genannte Kampfhundrassen per se gefährlicher als Toy-Rassen. Sie alle sind Raubtiere mit Jagdinstinkt, jederzeit bereit, ihr Rudel zu schützen. Das hat sich der Mensch bei der Domestizierung zu Nutze gemacht, er machte sich selbst zum Bestandteil des Rudels - als Alphatier.

Missverhältnisse im Rudel - z.B. ein schwaches Herrchen oder Frauchen oder Quälereien - führen zu aggressiven Hunden. Sie versuchen, den Alphastatus zu erreichen, entweder weil sie den gegenwärtigen Inhaber als schwach sehen, als jemanden, der sie nicht verteidigen kann. Oder weil sie Schmerzen nur verhindern können, indem sie selbst austeilen.

Nach dem gleichen Prinzip können Sie jedes soziale Tier besonders aggressiv machen, sogar Kühe [Stierkampf!] und Pferde.

Natürlich werden Rassen mit kräftigerem Körperbau und sportlicher Grundkonstellation, vor allem, wenn sie alles andere als niedlich aussehen, gerne von Menschen bevorzugt, deren Motive alles andere als lauter sind. Klar ist auch, dass eine wütende Deutsche Dogge schneller mehr Schaden anrichtet als ein wirbelnder Chihuahua. Beide Faktoren sind aber nur individuell zu ändern.

By limiting or banning pit bulls altogether, they will not only reduce what is frequently (but inaccurately) termed a “dog bite epidemic” but also rid the community of the unsavory characters associated with these dogs — as if drug dealers, gang members, and dogfighters will all disappear once the corrupting element, the American Pit Bull, is banned. [Ken Foster, ‘Pit bulls are innocent’, Salon.com, 20. August 2007.]

Es kommt auch niemand auf die Idee, Ferraris, Porsches oder Golf GTIs zu verbieten, nur weil diese Wagen eine bestimmte Klientel anziehen, die mit genau diesen Autos auch gerne einmal Unsinn anrichtet. Auch wird man, Ken Foster aufgreifend, bestimmte Millieus wohl kaum dadurch auflösen, dass man ihnen ihre Goldkettchen nimmt oder Küchenmesser verbietet. Machen wir uns nichts vor, wer eine Waffe haben will, braucht wirklich nicht auf verbotene Gegenstände zurück zu greifen.*

Was spricht eigentlich gegen einen Halterschein für Hundebesitzer? Nicht einfach ein Papier, dass gegen Gebühr jedem in die Hand gedrückt wird. Ich denke an ausgiebige theoretische und praktische Schulungen sowie tierspezifische Prüfungen. Das schützt nicht nur die Gesellschaft vor Missbrauch von Lebewesen, sondern auch die Tiere vor falscher Haltung.

The terms of the legislation vary from mandatory spay/neuter and higher licensing fees to mandatory euthanasia. And while the primary target is the American Pit Bull, in many cases the list of evil breeds includes Akitas, boxers, chow-chows, Dobermans, mastiffs and German shepherds […] [Ken Foster, ‘Pit bulls are innocent’, Salon.com, 20. August 2007.]

Ach ja, amerikanische Gesetzgeber erkennen auch den Deutschen Schäferhund als gefährlich …

 

*Das heißt nicht, dass man es ihnen leicht machen soll, daran zu kommen.

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